Home

Zurück zur  Scoulina              Zurück zu Zernez          zum Verzeichnis Zernez

Baschattas

 „Baschattas“ ist romanisch und heisst Streiche, Bubenstreiche

 Unter diesem Titel beschreibe ich etwas

was wir oder ich als Lausbuben unternommen haben.

 

Die Geschichten von Max und Moritz, den beiden Schlingeln, wird heute wohl noch jedermann kennen. Unsere Streiche war oftmals nicht weit davon entfernt. Zum Glück endeten sie nicht so schlimm.   Voraussenden muss ich folgende Besonderheit: 

Die Schule dauerte im Winter fast ununterbrochen 6 Monate. Dann folgten ununterbrochen 6 Monate Sommerferien.

 

Eine paradiesische Zeit in einer paradiesischen Umgebung. Den ganzen Sommer  vom  15. April bis 15. September hatte wir Schulferien.  Viele Kinder im Dorf, waren meistens Bauernkinder. Sie mussten in dieser Zeit ihren Eltern im Bauernhof helfen. Dafür waren diese Ferien auch gedacht. Diese Kinder hatten keine Zeit für solchen Blödsinn.

 

Meine Eltern waren intensiv mit der Arztpraxis beschäftigt. Da gab es anfänglich für mich kaum Arbeit. Mein Vater war fast Tag und Nacht in der Praxis mit den Konsultationen, den Hausbesuchen in den verschiedenen Gemeinden: Brail, Zernez, Ofenpass, Il Fuorn, Susch, Lawin, Guarda, Bos-cha, Ardez und Suren beschäftigt. Meine Mutter half ihm in der Praxis.  Damit genoss ich grosse Freiheit. In dieser Zeit wurde alles unternommen was irgendwie möglich war. Langweilig wurde es mir selten.

 

Mit 5-6 Jahren begann der Unsinn mit den „baschatas“ Meine letzte „baschata“ endete im 16. Altersjahr.  Als Kinder in diesem Alter hat man viele Energie und weiss oftmals nicht, womit man sich beschäftigen soll. Die Eltern waren zeitlich mit ihren verschiedenen Berufen in Beschlag genommen.  Unter uns Kindern begannen sich je nach Dorfteilen Gruppen zu bilden. In einer Gross-Stadt würde man heute "Gangs" sagen. Es kam auch vor, dass zwei dieser Gruppen gegeneinander stritten. Ich kann mich noch an eine  kleine Strassenschlacht erinnern wo wir uns mit Steinen bewarfen. Sonst ging es allerdîngs friedlich zu.

Zu hause stand mir von meinem Vater eine sog. "Kohlenbogenlampe" mit Scheinwerfer zur Verfügung. Bei Dunkelheit machte es mir einmal grossen Spass mit diesem starken Lichtschein (stärker als eine Autolampe) Gespenster an die etwa 300m entfernte weisse  Kirchenmauer zu projizieren. Leider war der Lichtstrahl  in der Luft sichtbar, so konnte man klar feststellen der Ursprung der Geister war die Veranda unseres Hauses. Es soll aber Leute gegeben haben

die dachten es gespenstere dort, weil sich da auch der Friedhof befand.

 

Wenn es uns langweilig wurde heckten wir eben verschiedene Streiche, „baschatas" aus, mit denen man die Erwachsen ärgern konnte. Diese gingen allerdings nicht so weit,  wie sich Jugendliche kürzlich ich in Frankreich benommen haben.

 

Es gab damals auch noch ein Brauchtum bei dem in Frühjahrstagen gewisse Streiche von Jugendlichen verübt wurden. Es konnte geschehen, dass man an einem Morgen plötzlich eine Kuh auf irgend einem Hausdach bewundern konnte. Wie kam diese wohl da hinauf? Dies waren allerdings bereits Streiche von fast erwachsenen Menschen.

Viele Streiche waren absolut harmlos. Beispielsweise wurde eine Ruhebank oder eine Stalltür in irgend ein anderes Dorfteil verbracht. Als Kinder streuten wir Asche vor die Hausgänge oder legten Portmonais auf die Strasse. Wenn jemand, im Glauben er habe ein Portmonai gefunden danach bückte, zogen wir es mit der daran angehängten Schnur weg. Heute würde bei all diesen Streichen Anklage erhoben werden und die Polizei gerufen. Damals war man noch toleranter.

 

Mein letzter Streich war kritischer und endete in meinem 16 Altersjahr (Geschichte folg später).

 

______________

Die Dorfteile in Zernez heissen:

 

Runatsch, das ist der Dorfteil der vom grossen Dorfbrand verschont geblieben ist und

wo man noch die alten Engadinderhäuser sehen kann. In diesem Teil liegt das heute

Nationalparkmuseum.

Ein anderer Dorfteil war Curtins (Strasse gegen das Unterengadin)

 

Ich selbst wohnte im Dorfteil Röven auf einer leichten Anhöhe die man

komischerweise auf Deutsch "Rosenhügel" nannte. Da wuchsen jedoch keine Rosen.

 

Home