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"Bulai" das Spiel des Lebens

 

Ein Spiel das wir in der Scoulina öfters spielten, ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ich kannte es unter dem Namen „Bulai“ was auf deutsch Pilz heisst. Was es mit einem Pilz gemeinsam hat weiss ich bis heute nicht. Jemand sagte mir es sollte heissen „fulei“, auf deutsch faules Ei.

Heute fragte ich meine Nachbarin hier im Haus ob sie im Kindergarten auch

so ein Spiel hatten. Sie sagte mir sie kenne das unter dem Namen  "lueget nid umme dä fuchs gat umme".

Auf Anfrage bei meiner Klassenkameradin Eva,  sagte sie mir das sei „il gö dal fazzöl“, gewesen, das Taschentuch Spiel. Wie es auch heissen mag, es ging so vor sich:

 

Auf den Knien sitzend bildeten alle Kinder einen  grossen Kreis.

Einem Kind wurde ein Taschentuch in die Hand gegeben. Damit  rannte es nun um die ganze Runde.

Hinter dem Rücken irgendeines knienden Teilnehmers liess er das Taschentuch unbemerkt fallen.

Wenn der Kreisende die halbe Runde hinter sich gebracht hatte, durfte man hinter sich schauen ob, das Taschentuch hinter dem Rücken auf dem Boden lag.  Wenn man dies aus Unachtsamkeit verpasste, erhielt man von dem herumkreisenden einen Schups in den Rücken mit dem Ausruf „bulai!“.

 

Damit war man aus dem Spiel, man war „tot“ und landete in der Mitte des Kreises, bis am Ende des ganzen Spiels nur noch zwei drei übrig blieben.

Wer hingegen das Taschentuch hinter seinem Rücken entdeckte, konnte selbst damit losrennen und einem anderen das Taschentuch hinlegen. Sein Platz in der knienden Runde wurde vor dem vorhergehenden Kreisenden eingenommen.

 

Dieses Spiel nenne ich heute das „Spiel des Lebens“.

Jedes Mal wenn ich eine Nachricht erhalte, dieser oder jener Klassenkamerad sei gestorben, kommt es mir vor als ob dieser oder diese aus dem Kreis der  Lebenden in das Totenreich geschupst wurde, bis

am Ende nur noch Wenige übrigbleiben. Irgendwann trifft es auch einen selbst.