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Ein schreckliches Erlebnis als Kind

Genau kann ich mich nicht mehr entsinnen im welchem Alter dies

geschah. Ich muss um 5-6 Jahre alt gewesen sein.

Irgendwie hatte ich eine Auseinandersetzung  mit meiner Mutter. Warum es ging weiss ich nicht mehr. Vermutlich ging es darum, dass meine Mutter mich nicht mit den Kindern der Umgebung spielen liess. Sie fand damals das seien alles "Saugofen". Bei dieser Auseinandersetzung rutschte mir ganz ungewohnt der Ausdruck "du Sau!" gegen meine Mutter aus.

Am Mittag nach der Praxis kam dies meinem Vater zu Gehör. Mein Vater der zu Jähzorn neigte, lief rot an, ergriff mich an meinen Kleidern und zog mich in das "Bügelzimmer" in dem auch Skis mit den damals üblichen Haselnuss-Stöcken aufbewahrt waren. Er nahm einer diese Haselnusstücke und verprügelte mich unbarmherzig mit diesem Stock. 14 Tage später konnte man noch rote Striemen am Rücken sehen. So zornig habe ich meinen Vater nie mehr gesehen.

Er war ausser sich vor Wut, drückte, ja warf mich fast an die Wand um zu überlegen was er alles noch mit mir anstellen könne. Zum Glück erlosch seine Wut.

Dieses Ereignis hatte zur Folge, dass wir etwa 2 Jahre nicht mehr miteinander sprechen konnten. Ich hatte Angst vor meinem Vater und er behandelte mich wie wenn ich "Luft" wäre.

 

Ungefähr vor einem Jahr oder mehr kam eine Weisung heraus man sollte Kinder  gegen die Kinderlähmungs-Epidemie impfen. Das geschah durch drei in gewissen Abständen verabreichte Injektionen. Die erste Injektion hatte ich bereits hinter mir.

Als es so weit war, dass ich die zweite Injektion erhalten sollte flüchtete

ich vor meinem Vater, der mir mit seiner geladenen Spritze folgte.

Es gelang mir dann, mich in der Scheune hinter gestapelten Brettern und

Schachteln zu verkriechen, wo mein Vater mich nicht mehr

erreichen konnte und er sein Vorhaben aufgab.

Einige Monate später kam heraus, das Kinder in Genf an dieser Impfaktion gestorben waren. Mein Vater hatte diesen Impfstoff aus Genf wo er früher als Arzt tätig war und dort meine Mutter kennen gelernt hatte.

Wie mir meine Tante Lysi später einmal sagte, muss ich da einen Schutzengel gehabt haben, dass ich nicht mehr mit diesem Zeug geimpft wurde.

Einige Jahre später erkrankten zwei Kinder in unserem Dorf an Kinderlähmung.

Eines dieser Kinder konnte dann sein Leben lang nicht mehr gehen. Seine Beine waren gelähmt.  Mit der Zeit hatte dieses Kind und später der junge Mann eine grosse Geschicklichkeit und sportliche Fähigkeit entwickelt um sich vorwärts zu bewegen. Im Winter sass er auf einem Schlitten und stiess sich energisch mit zwei Skisstöcken weiter Im Sommer lag er ein Wägelchen mit dem er sich auf der Strasse geschickt fortbewegte. Damals gab es noch kein Rollstühle.