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Hotel Montana Luzern

 

Es war soweit.  Ich musste weg aus dem geliebten Engadin und ins Erwerbsleben einsteigen.

Nach der Berufsberatung in Zürich wo ich es ablehnte weiter im Lyceum in Zuoz zu studieren (vermutlich die grösste Dumheit meines Lebns), landete ich in diesem renomierten Haus mit atemberaubender Rundsicht, Zimmer im Art Deco-Stil, SCALA Restaurant und LOUIS Bar. Stadthotel  mit vier Sternen, bestes Stadthotel der Schweiz (BILANZ). Mit der kürzesten Seilbahn der Schweiz. Beschreibung des Hotelprospekts.

 

Die Arbeits-Stelle als Chasseur-Telefonist wurde mir durch die Berufsberatung  in Zürich verschafft.

Dort fanden sie, ich müsse jetzt wenigstens ein Jahr praktisch arbeiten. Meine Karriere zum Hoteldirektor soll hier beginnen. Kost und Logie hatte ich im gleichen Hotel in einem der oberen Angestelltenzimmer.

Der Schneider des Hauses kam vorbei. Er nahm meine Masse. Nach einer Woche wurde ich in eine Hotel-Pagenuniform des Hotels Montana gesteckt und zum "Mädchen für Alles" getrimmt. Hotelpage(so ähnlich nur in blau-grau und ohne Mütze)

 

Ich sitzte am frühen Vormittag in dieser Uniform vor einer Telefonzentrale mit einer Garnitour aus Kopfhörer und Mikrofon am Kopf.  Die Telefonzentrale schnarrt. Ein Lämpchen der betreffenden Zimmernummer des Gastes leuchtet auf. Ich melde mich "Good morning, what can I do for you", oder so ähnlich, da kann ich mich  nicht mehr genau erinnern.  Die Gäste in diesem Hotel waren meistens reiche Amerikaner. Die sprachen eben ihr komisches Englisch.  Meine Ohren spitizte ich weit auf um ja alles richtig mitzubekommen, den mein Englisch war noch lange nicht genügend. Zum Glück wurde fast immer das Gleiche gesprochen, wie: "Send me please the breakfest with orange juice, some coffee and rolls to my room" . Die Bestellung leitete ich dann gleich über die Zentrale an das Office weiter. Es schnarrte wieder: "Can you please connect me with the Nummer xxxxyyyy". Ich zog gleich den Stecker, der mit einem langem,  mit braunem Stoff bespannten Kabel verbunden war,  heraus und steckte ihn in ein Loch, zu einem anderen Zimmer, oder in eine der auswärtigen Leitungen. Stellte seine Nummer ein. Dann musste ich einen Kipp-Schalter nach oben schieben um kurz mithören, ob die Verbindung richtig funktionierte und liess den Schalter gleich  los der  zurückschnellte. Es war streng verboten irgendwelche Telefonate mitzuhören. Zeitweise ging es recht hektisch zu. Es schnarrte ständig, mehrere Lämpchen leuchteten auf.   Bei regem Betrieb leuchteten verschiedene Länpchen und mehrere Kabel überkreuzten sich vor mir an dieser Zentrale . Sobald das Gespräch beendet war, schnarrte es wieder. Das Lämpchen erlosch und der Stecker mit dem Verlängerungskabel musste man gleich wieder herausziehen. Er glitt in seine Vertiefung zurück. Diese Arbeit bereitete mir viel Spass. Sie dauerte etwa zwei Stunden am frühen Vormittag. Dann wurde es ruhiger.

 

Bähnli !!!, rief der Concierge, Max Richner, aus der Loge.

Der Concierge war nebst dem Hoteldirektor mein direkter Vorgesetzter. Er hatte damals viel Macht in diesem  Hotel. Die meisten Fäden liefen über ihn. Ich weiss nicht wie dies heute ist. Max Richner war immer sehr korrekt zu mir. Er rauchte viel und telefonierte ständig herum. Bei vielen dieser Telefonaten ging es um seine eigenen Börsengeschäfte. Dies konnte er absolut legal tun.  Er verdiente sehr gut und kaufte sich später selbst ein Hotel in der Nähe von Luzern.

Wir hatten damals hauptsächlich viele Amerikaner als Gäste, ganz wenige Franzosen und keine Deutsche.

Die Amerikaner wechselten Ihre Dollars beim Concierge an der Loge. Ganz selten durfte ich auch Geld wechseln.

Ein Dollar war damals Fr. 4.25 wert. An so einem Change konnte man ganz ordentlich verdienen.

Die Amerikaner waren auch beim Trinkgelgeben nicht knauserig.

Am Morgen traf sich jeweils eine ganze Gruppe von Amerikanern und Amerikanerinen im Foyer.

Was mir dabei auffiel war das Geschnatter dieser Frauen. Es war lustig und tönte  fast wie in einem Hühnerstall.

 

Mit der Zeit entwickelte sich ein Blick für die Gäste, wenn ein neuer Gast ankam erkannte man fast gleich aus welchem Land er kam . Es war die Kleidung, das Gepäck die  Art des Auftretens und nicht zuletzt seine Sprache.

 

Der Ruf  Bähnli !! war  der Befehl für mich, das Bähnchen zu bedienen. Gäste hatten unten an der Haldenstrasse mit einem Klingelknopf das Bähnchen bestellt. Ich eilte zur Tür welche zur Kabelseilbahn führte, stieg in die Kabine ein und drückte den Startknopf. Das Bähnchen sitzte sich nach unten in Bewegung. Nach etwa sieben Minuten endete die Fahrt viel weiter unten an der Haldenstrasse, etwa gegenüber dem Hotel Palace. Gäste warteten dort und stiegen in dieses Funicolare ein. Bevor ich selbst wieder einstieg, mussten zuerst draussen an der hinteren Wand des Schachtes  zwei Drähte die zum Hotel hinausführten mit einem Kabel verbunden werden werden. Dies löste den Kontakt des Motors wieder aus und das Bähnchen setzte sich gleich wieder  in Bewegung nach oben. Mit ein paar schnellen langen Schritten musste ich wieder die Kabine erreichen sonst wäre sie ohne mich nur mit den Gästen nach oben gefahren. (Heute geht das moderner. Es ist ganz einfach ein Knopf den jedermann selbst bedienen kann in der unteren Kabine angebracht).

Fast täglich meldete sich unten beim Bähnchen auch der Direktor der Eidg. Versicherungs-anstalt der mit diesem Bähnchen am besten zu seiner Arbeitsstädte gelangte die sich in der Nähe des Hotels befand. So entstand mit der Zeit ein ständiger Kontakt mit Gästen und den Benützer dieses Bähnchens.

Im Haus selbst wohnte auch ein ständiger Gast, er wurde mit Konsul Tomson angesprochen.

Konsul Tromson war immer sehr net zu mir und lobte mich für mein freundliches Lächeln.  Er meinte damit würde ich noch gross Karriere machen können.

 

Nach acht Monaten wurde ich dann Tournand in diesem Hotel. Als Tournand war ich Telefonist, löste den Concierge und den Nachtportier ab und fuhr mit der Limousine Marke Hudson , die Gäste vom Bahnhof zum Hotel und zurück und zu einem kleinen Site-Seeing  in die Stadt Luzern, die ich selbst noch zu wenig kannte. Ich radebrechte irgendetwas und meine Gäste schienen zufrieden zu sein damit.  Da passierte mir eines Tages ein Fehler ein Fehler. Ein Gast hatte gewünscht, dass man sein Gepäck zum Bahnhof bringt. Durch andere Tätigkeiten ist mir dies irgendwie  untergegangen. Als Strafe musste ich ihm das Gepäck mit dem Hudson bis nach Lungern nachfahren wo ich seinen Zug gerade noch  erreichen konnte. Die Kosten für die Fahrt dahin und zurück musste ich dem Hoteldirektor bar bezahlen.

 

Der Bahnhof Luzern war damals noch nicht abgebrannt. Auf den Perons befanden sich ständig Gepäckträger welche das schwere Gepäck der Reisenden zu den jeweilen Hotelautos brachten. Es war ein super Service. Heute gibt es auf den Perrons einfach Rollwagen mit denen man sein Gepäck selbst transportieren muss.

 

Am Nachmittag erledigte der Hoteldirektor Gianella die Zahlungsaufträge. Er übergab mir jeweils eine Mappe für die Hauptpost  Luzern und so konnte ich immer an der schönen Seepromenade bis zur Hauptpost spazieren.  Diese Tätigkeit als Telefonist und Tournant übte ich ein Jahr aus.

Da ich weiter kommen wollte absolvierte ich darauf die Hotelfachschule im gleichen Haus.

Dort besuchte den Fachkurs (allgemeine Hotelfachkenntnisse) , den Sprachkurs und den Sekretärkurs wo ich Englische und  Französische Korrespondenz bei einer hervorragenden Englischlehrerin lernte.

Allemeine Hotelkenntnisse vermittelte uns Direktor Gianella. Fast in jedem jedem fünften 

Satz lehrte er uns, das Wichtigste ist  "die Liebe zum Gast".

 

Leider interessierte mich das Kochen damals zu wenig. Ich kann mich nur noch entsinnen wie wir im Fachkurs eine Apfelwähe herzustellen lernten. Dies ging mit einfachen Handgriffen viel schneller als man dies normalerweise zu Hause tut. Das "Bütschgi" wurd einfache aus dem  zwei geteilten Apfel  mit einem Teelöfel herausgeschält und  die Apfelhälfte mit einem Messer in gleiche Scheiben eingeschnitten. Ein Druck mit dem Handballen auf alles und die Apfelscheiben lagen schön geordenet und gebündelt nebeneinander.

 

Unter uns Schülern bildeten sich gute Freundschaften. Einer der Schüler hat mich dann später nach Holland eingeladen, dabei lernte ich Amsterdam und Ede kennen. Er selbst kam aus Ede und arbeitete später viele Jahre auf der kleinen Scheidegg.  Der Kontakt besteht seit vielen Jahren nicht mehr. Unter den Schülern und Schülerinen jeglichen Alters bildeten sich zeitweise auch irgendwelche Liebsschaften. Ich hatte das Pech, mich in  irgendwie in eine bereits gebundene Frau zu vergaffen. Sie war die Tochter eines Pfarrers aus der Schweiz  und sah für mich himmlisch aus. Nach einer Beziehung zu einem Italiener hatte sie ein Kind erwartet, welches sie dann abtreiben musste. Über ihre Freundin

erfuhr ich dann, wie sehr sie  unter dieser  Abtreibung litt.  Ich lernte daraus wie eine Abtreibung eine Frau deprimieren kann. Habe heute keine Ahnung was aus ihr geworden ist.

* * *

Nach der Ausbildung in der Hotelfachschule ging es weiter. Durch einen anderen ehemaligen Schüler der Hotelfachschule  erhielt ich eine Stelle als Hotelsekretär  im Hotel Pax-Montana im Flüeli Ranf Kanton OW. Das war wiederum eine ganz andere Welt die ich dort beschreiben werde.