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 Mosaiksteine eines Lebens

Die Marienwiese 

 

        Es muss Ende Juni um 1945 gewesen sein. Ganz selten im Jahr, bei Sonntagsspaziergängen, besuchte ich mit Mutter und Vater die "Marienwiese". Auf dem Weg von Zernez gegen den Ofenpass führt eine Holzbrücke, am Schiessstand vorbei,  Richtung Val Cluoza, Nationalpark. Nach kurzer Wanderung gelingt man dort in den Wald. Bei einer Rechtsbiegung der Waldstrasse blühten dort jedes Jahr einige  für die Schweiz ganz seltene Orichideendart, "Frauenschuhe". 

 

 

 

 Frauenschuh Cypridéum caleéolus  (Rätoromanisch Flur Pantofla)

Diese Orchidee hat keine Knollen, sondern einen Wurzelstock mit fleischigen Wurzeln. Die wenigen (aber grossen) Blätter  zeigen durch ihre Behaarung den trockenen Standort (Kalkboden) an. Die Blüten sind gross und haben eine kahnformige Unterlippe, die mit ihrer gelben Farbe gegen die anderen dunkelpurpurnen  Perigonblätter lebhaft absticht (Lockapparat) Die Unterlippe hat eine grosse glattrandige Öffnung und seitlich kleine Öffnungen. Im Innern erzeugen Haare Honig. Kleine Bienen, die durch die grosse Öffnung Einkriechen können an ihr nicht wieder heraus, sie finden endlich den Ausweg durch die kleinen Öffnungen wobei sie sich an den darüber befindlichen Staubbeuteln mit Blütenstaub bepudern. Vorkommen Osteuropa und Nordasien bis zum Polarkreis, bei uns selten, in Wäldern, auf Kalkboden ausdauernde Staude bis 50 cm hoch, Mai und Juni.

 

Erführchtig betrachteten wir diese schöne Pflanze und gaben uns alle Mühe sie nicht zu beschädigen. Der Name Frauenschuh passt genau zu ihr. 

       

Das Ziel des Ausflugs war allerdings die "Marienwiese" welche sich in einer Lärchenlichtung befand.  Wie magisch  fühlte sich meine Mutter von dieser Wiese angezogen. Dieses Gefühl übertrug sich auf mich. Mutter hatte diesem Ort den Namen "Marienwiese" gegeben. Bis heute weiss ich noch nicht wie der richtige romanische Name dieser Wiese lautet. Was ich unbedingt noch erfahren muss. Dieses Ort übte auf uns einen  bestimmten Zauber aus. (Den romanischer Name habe ich inzwischen von Jacques Guidon erhalten,  "Selva da d'Aint" )

        

        Eine Besonderheit dieser Wiese war der Männertreu der dort häufig anzutreffen war. Auf dieser Wiese gibt es viele kleine, fingerlange Pflänzchen mit grünem Stiel und einer braunen Bärenkappe.  

        Die kleine Bärenkappe dieser "Männchen" verströmt einen ganz besonderen Duft der mir immer in Erinnerung bleibt. Es ist das Beste an Düften was ich in meinem Leben an Düften kennen lernte. Genau dieser spezielle Duft ist mir bisher noch nie bei einem Parfüm begegnet   

 

                                      Männertreu (nigritella nigra) (l)

                                  Gymnadène à forte odeur (f)

                                    Gymnadenia scented (e)

                                    Schwarzständel; Nigritélla angustifolia 

                                           Rätoromanisch: Flur sainch nair  ( Schwarzblut-Blume) 

 

Die Blüten sind stehen in kopfformigen Ähren und sind schokoladebraun und vanilleduftend.

Juni bis Sept. 

Die Pflanzenbeschreibungen stammen aus einem alten Buch von einem Professor HOFFMANN-DENNERT BOTANISCHER BILDERATLAS NACH DEM NATÜRLICHEN PFLANZENSYSTEM 

 

Diese beiden Pflanzen gaben mir verschiedene Rätsel auf :

 

1.Wie kamen diese seltenen und schönen Frauenschuhe in dieses doch

    abgelegene Gebiet?

 

2. Was für seltsame Kräfte haben diese Blume so schön und so speziell

    geformt?   Ist das einfach ein Zufallsprodukt wie die Evoution dies lehrt?

 

4. Wie kam der Männertreu darauf so zu werden und diesen speziellen Duft

      zu entwickeln? Nach Jahrmillionen durch Zufall?

 

5. Wer hat die richtige Antwort darauf?

    

 

 

 

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