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Siehe das Schwalbenzimmer  

Die Autoren:. Siehe am Ende dieses Kapitels
 Von wegen Spatzenhirn

Es ist gerade sehr kalt. Januar 2006.  Auf meinem Balkon habe ich ein Vogelhäuschen und Vogelfutter

in zwei Blumenkisten. Zwei Amseln, zwei Blaufinken und Spatzen kommen zeitweise vorbei

Darum habe ich für Euch nach dieser Geschichte gesucht welche ich vor ein paar

Jahren vergnügt gelesen habe..


Es ist wahr, von uns gibt es
sehr viele. Unser Gesang
ist misstönend laut. Man
behauptet, wir fräßen Ihnen
das Futter weg. Nicht
einmal unser bescheidener
Anzug macht uns beliebt. Und doch werden Sie es aller
Mühe wert finden, einem kecken Spatzen ein wenig Aufmerksamkeit
zu schenken. Das versprechen ich Ihnen.
Sie meinen, Sie finden nichts Besonderes an mir? Aber
hören Sie, von Ihrer Sorte gibt es doch genau so viele wie
von uns. Und denken Sie denn, alles, was es häufig gibt,
sei gewöhnlich? Dann müssten Sie auch sehr gewöhnlich
sein! – Oh, Entschuldigung, jetzt war ich aber wirklich
frech.
 

Eigentlich bin ich ein recht gesitteter Feldsperling. Auf
keinen Fall möchte ich mit meinem Vetter, dem frechen,
fetten Haussperling verwechselt werden. Mich können
Sie an der grauen Brust und dem schwarzen Wangenfleck
erkennen, sodass Sie uns leicht unterscheiden können. Wie
mein Name schon sagt, halten wir uns ein bisschen von
Ihren Häusern entfernt.
Zum Fliegen geschaffen
 

Mein Schöpfer hat mich von vornherein als »Flugzeug«
konstruiert. Aus diesem Grund ist auch das kleinste Teilchen
meines Körpers auf das Fliegen ausgerichtet. Ich
kann nicht begreifen, wie dann Menschen die Stirn haben
können, zu behaupten, wir stammten von Reptilien ab.
Stellen Sie sich vor, Krokodile sollen zu unserer näheren
Verwandtschaft gehören! Man will mich glauben machen,
der erste Sperling habe schon vor 50 Millionen Jahren
gelebt. Das kommt mir immer so vor, als ob die Märchenhaftigkeit
dieser Anschauungen durch die Menge der
Jahre vertuscht werden soll. – Aber, lassen wir die Theorie
beiseite und wenden uns lieber den Tatsachen zu. Dann
mögen Sie selbst urteilen.
 

Mein Körper ist aus den denkbar leichtesten Stoffen
gebaut. Fast alle Knochen sind innen hohl. Dadurch können
sie Luft aufnehmen, und sie sind sehr leicht und trotzdem
stabil. Bei einem entfernten Verwandten von mir, dem
Albatros, wiegt das gesamte Knochengerüst nur 120 bis
150 Gramm, obwohl er über einen Meter lang ist und eine
Flügelspannweite von drei Metern aufweist. Das Gewicht
seiner Federn ist größer als das der Knochen.
Wären unsere Knochen mit Mark gefüllt, wie das bei
den Reptilien der Fall ist, könnten wir nie fliegen. Außerdem
ist unser Becken, anders als bei den Echsen, fest mit
der Wirbelsäule verwachsen. Nur so hat unser Knochengerüst
jene Starre und Elastizität, die für einen Flugkörper
unbedingt erforderlich ist.
 

Ein bemerkenswertes Loch
Ein kleines Loch in der Gelenkpfanne des Oberarmknochens
erscheint mir sehr bemerkenswert. Das ist nicht etwa
ein Defekt, sondern durch dieses Loch führt jeweils die
Sehne, die den kleinen Brustmuskel mit der Oberseite des
Schultergelenks verbindet. Dadurch kann ich meinen Flügel
anheben und überhaupt erst fliegen. Wenn ich natürlich von
den Reptilien abstammen soll, frage ich mich, wer hat da
das Loch in die Gelenkpfanne gebohrt und dann gar noch
die Sehne eingefädelt? Solche Löcher suchen Sie beim
Krokodil vergeblich.
Herz, bleib stark!
 

Krätsch! Hilfe, ein Sperber! Krätsch! Wo kann ich mich
nur verstecken …? Hilfe … Ach, das ist noch einmal gut
gegangen! War das gefährlich! Jetzt ist er wieder fort.
Wissen Sie, dass der Sperber unser ärgster Feind ist?
Mit seinen langen Fängen kann er uns sogar im dichten
Gebüsch erwischen, wenn wir nicht aufpassen. Wir haben
überhaupt eine Menge Feinde: Krähen, Elstern, Katzen,
Menschen. Nicht einmal nachts lässt man uns in Ruhe.
Die Eulen greifen uns sogar auf unserem Schlafbaum an.
Einmal habe ich erlebt, wie der grässliche Waldkauz mitten
in der Nacht in unsere Bruthöhle einbrach, meinen Mann
herauszerrte und ohne Erbarmen von Kopf bis Fuß auffraß.
Es war entsetzlich!
Trotzdem weiß ich, dass mein Schöpfer für mich sorgt.
In der Bibel steht, dass kein einziger Sperling von Gott
vergessen wird! Wie gut müssen Sie es dann haben! Sie
sind ihm doch noch viel wertvoller als ich. Selbst die Haare
auf Ihrem Kopf hat er alle gezählt. Ja, die Menschen hat
Gott offenbar besonders lieb!
 

Wissen Sie, mein Schöpfer hat mir ein außergewöhnlich
starkes Herz gegeben. Es ist eines der leistungsfähigsten
überhaupt. Jetzt, während ich mit Ihnen spreche, schlägt es
in jeder Sekunde mehr als siebenmal, nämlich 460-mal pro
Minute. Vorhin, als ich vor dem Sperber flüchtete, erhöhte
sich mein Puls auf 760! Das muss so sein, damit ich fliegen
kann.
 

Ein Super-Werkzeug
Ja, schauen Sie mich ruhig noch etwas genauer an: Sehen
Sie meinen Schnabel? Ein unscheinbares Ding von außen,
nicht wahr? Aber er ist ein Wunderwerkzeug meines Schöp14
fers; superleicht und trotzdem den härtesten Anforderungen
gewachsen. Man hat ausgerechnet, dass das Horn meines
Schnabels eine Reißlänge von etwa 31 Kilometern hat. Das
heißt, wenn Sie aus dem Material einen Draht herstellen
und irgendwo befestigen könnten, dann würde er erst bei
einer Länge von 31 km durch sein eigenes Gewicht an der
Befestigung abreißen. Das Material, das die Menschen im
Flugzeugbau verwenden, hat nur eine Reißlänge von etwa
18 Kilometern.
 

Ein Blick durch den Feldstecher
Hätten Sie gewusst, dass mein gesamter Schädel leichter
ist als meine beiden Augäpfel?! Daraus brauchen Sie jetzt
nicht etwa boshafte Schlüsse auf mein Spatzenhirn zu
ziehen. Meine Augen sind weitaus besser als die Ihrigen.
Wir Vögel haben sieben- bis achtmal mehr Sehzellen pro
Flächeneinheit als Sie. Dadurch entsteht in unserem Gehirn
ein viel schärferes Bild. Wenn Sie z. B. einen Gegenstand
so genau erkennen wollen, wie ihn ein Bussard wahrnimmt,
müssten Sie einen Feldstecher (8 x 30) zu Hilfe nehmen.
Ich gebe zu, meine Augen sind zwar nicht ganz so scharf,
aber den Vergleich mit Ihnen halte ich immer noch aus.
Ein Biologe schreibt, dass unser Auge ein Wunderwerk an
Bau, Funktion und Leistungsfähigkeit ist. Es gehört zu den
vollkommensten optischen Organen in der Wirbeltierwelt.
Das muss auch so sein, denn uns darf selbst beim schnellsten
Flug keine wichtige Einzelheit entgehen.
 

Zusätzlich zu den scharfen Augen hat Gott uns auch
noch einen sehr beweglichen Hals gegeben. Mit unserem
Schnabel-Werkzeug können wir somit mühelos jeden
Körperteil erreichen. Glauben Sie, das könnte zufällig so
sein? Versuchen Sie einmal, stehend mit Ihrer Stirn bis an
die Knie zu kommen. Oder schaffen Sie das doch? – Nein,
Sie brauchen es jetzt nicht vorzumachen. Wenn es Ihnen
überhaupt gelingt, werden Sie Ihre Knochen ganz schön
knacken hören. Für mich ist diese Gelenkigkeit jedoch
lebensnotwendig.
 

Verdauung muss auch sein
Was sagen Sie da? Gott hätte mich als unnützen Fresser
geschaffen? Oh, solch eine Beleidigung können wir nicht
hinnehmen, mein Schöpfer und ich. Wissen Sie überhaupt,
was ich fresse? Ja, das dachte ich mir! Wer am wenigsten
Ahnung hat, spuckt meist die lautesten Töne! Entschuldigung
– das war wieder frech, aber Sie waren eben auch
nicht gerade höfl ich!
 

In China sind meine Verwandten einmal beinahe
ausgerottet worden, weil da einige kluge Leute dachten,
wir Feldsperlinge würden ihnen zu viel Reis und Hirse
wegfressen. Doch als sie unsere Rasse dort nahezu vernichtet
hatten, erkannten sie, dass das Ungeziefer auf den
Feldern derart überhand nahm, dass die Verluste nun viel
höher waren als vorher. Zu unserer eigentlichen Ernährung
gehören nämlich die kleinen Tiere, die Sie als Schädlinge
und wir als Delikatessen empfi nden: Maikäfer, gefl ügelte
Ameisen, Larven vom Eichenwickler, Apfelblütenstecher,
Blattläuse usw.
 

Da wir gerade beim Essen sind: Wissen Sie überhaupt,
wie unsere Verdauung funktioniert? Schließlich ist das ein
ganz natürliches Thema! Wie Sie ja wissen, ist bei mir alles
aufs Fliegen eingerichtet. Da ich sehr viel eiweißhaltige
Nahrung aufnehme, komme ich mit einem außergewöhnlich
kurzen Darm aus; brauche jedoch scharfe Verdauungssäfte.
Mein Schöpfer wollte mich nicht unnötig lange mit
den nutzlosen Verdauungsrückständen belasten, deshalb
werfe ich das Zeug immer so schnell wie möglich wieder
ab – nicht selten im Flug, wodurch es mir schon manches
Mal gelang, Ihre Kleidung etwas zu »dekorieren«. Oh,
verzeihen Sie! –
 

Mein Konstrukteur machte übrigens noch etwas Geniales,
als er mich schuf. Er ließ nämlich einfach die Harnblase
weg. Dadurch konnte er meinen Körper nach hinten stromlinienförmig
verjüngen und somit das Gewicht niedrig
halten. Mein Harn wird zu 80 % von Harnsäure gebunden,
die im letzten Stück des Enddarms als weiße Paste auskristallisiert
wird. Ist das nicht fein durchdacht? Außerdem wird
das für den Ausscheidungsprozess benötigte Wasser fast
vollständig in den Organismus zurückgeführt. So brauche
ich nur selten Wasser »nachzutanken«.
Katapult und Taschenmesser
 

Haben Sie noch ein bisschen Geduld? Schauen Sie sich
einmal meine Füße an! Es scheint nicht viel daran zu sein,
und doch ist eine ziemlich raffinierte Konstruktion darin
versteckt. Es stimmt schon: Was Sie da sehen, sind wirklich
nur Füße und Zehen. Der Rest – Schienbein, Knie und Oberschenkel
– verbirgt sich innerhalb meines Körpers. Und wenn
Sie den Eindruck haben, ich stehe aufrecht, befinde ich mich
in Wirklichkeit in einer Kniebeuge-Hockstellung. Für Sie ist
diese Haltung vielleicht unbequem, für mich jedoch nicht.
Wenn ich nun meine Knie plötzlich strecke, schleudern mich
die Muskeln wie ein Katapult nach oben, und ich beginne sofort,
meine Flügel zu gebrauchen. Während des Fluges ziehe
ich mein »Fahrgestell« dann bequem unter die Federn und
fahre es erst bei der Landung wieder aus. Auch hier bewährt
sich seine höchst elastische Aufhängung bestens.
Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal darüber
gewundert, wie ich stundenlang auf einem Zweig sitzen
und sogar in dieser Stellung schlafen kann. Das hat mein
Schöpfer durch einen besonderen Mechanismus ermöglicht,
der die Zehen automatisch den Zweig umschließen
und festhalten lässt. Ein ganzes Bündel von Sehnen ist von
den Zehen aus mit dem Muskel des Oberschenkels verbunden.
Setze ich mich auf einen Zweig, dann spannen sich die
Sehnen allein durch mein Gewicht und ziehen die Zehen
zusammen. Hinzu kommt, dass sich auf einem bestimmten
Stück der Sehne etliche kleine Höcker befinden. Wenn ich
mich setze, haken sie sich in den Zähnchen fest, die sich
– gewiss wiederum nicht zufällig – gerade an dieser Stelle
im Schlauch der Sehnenscheide befinden. So bleiben die
Sehnen ohne Anstrengung gespannt, und ich falle nicht
vom Baum.
 

Bei Langbeinern wie Storch und Reiher, die oft lange
stehen müssen, ist das ein bisschen anders konstruiert.
Sie haben ein spezielles Kniegelenk bekommen, das wie
ein Taschenmesser einrastet. So können sie stundenlang
stehen.
 

Warum wir Eier legen
Was denken Sie eigentlich, warum wir Vögel unsere
Jungen nicht austragen wie die Säugetiere? Sie wissen es
nicht? Na, stellen Sie sich vor, wie ich als schwangeres
Vogelweibchen mit dem dicken Bauch fl iegen soll! Und
wovon sollte ich mich in der ganzen Zeit ernähren, wenn
ich nur kriechen könnte? Die Sache mit den Eiern ist eine
Patentlösung unseres Schöpfers. Dadurch werde ich kaum
beim Fliegen behindert. Ich lege die Eier schnell hintereinander,
durchschnittlich in Abständen von nur 24 Stunden.
Auf diese Weise habe ich das Gelege schnell beieinander
und kann die Eier dann alle auf einmal ausbrüten. Dadurch
können wir Vögel gleich mehreren Jungen auf einmal das
Leben schenken.
 

Die Kunst des Brütens
Sie stellen sich das gewiss als eine äußerst langweilige
Beschäftigung vor. Das kommt, weil Sie keine Ahnung von
der Schwierigkeit dieser Arbeit haben. Denken Sie denn,
wir setzen uns einfach auf die Eier und warten, bis unsere
Jungen ausgeschlüpft sind? Wissen Sie, wie empfindlich
unsere in den Eiern heranwachsenden Jungen sind? Da
muss die Temperatur genau stimmen, die richtige Feuchtigkeit
muss vorhanden sein, und selbst ein ungehinderter
Gasaustausch muss möglich sein. Sollte das nicht der Fall
sein, sterben unsere Jungen, noch bevor sie geboren sind.
Unser Schöpfer hat aber eine geniale Idee gehabt und
sie folgendermaßen verwirklicht: Noch bevor ich anfange,
die Eier zu legen, fallen mir an der Bauchseite an zwei,
drei Stellen die Flaumfedern aus. Dafür wächst dort eine
viel dickere Haut als vorher. Die Blutgefäße vermehren
sich um das Siebenfache und werden etwa fünfmal so
dick wie vorher. Gleichzeitig sammelt sich in den Zellen
dieser »Brutflecken« eine Menge Flüssigkeit an. Wozu das
Ganze? Sobald ich mit dem Brutfleck das Ei berühre, wird
dessen Temperatur ins Zwischenhirn gemeldet. Von dort
aus wird dann die Eitemperatur entweder direkt gesteuert,
oder mir wird klar, wann und für wie lange ich die Brut
unterbrechen muss, damit etwas Luft herankommt, und
wann ich die Eier zu wenden habe.
 

Wie diese Meldung ins Zwischenhirn gelangt und wie
ich mittels des Brutflecks Informationen an meine Jungen
weitergebe, ist Ihren Wissenschaftlern noch völlig unbekannt.
Trotzdem behaupten viele kurzerhand, dass sich
diese Fähigkeit allmählich entwickelt habe. Diese Leute
würde ich gern fragen, wie denn meine Vorfahren früher
ihre Jungen ausgebrütet haben sollen, wenn sie nicht merkten,
ob die Eier zu heiß oder zu kalt waren?
 

Werner Gitt, 1937 in Raineck/Ostpr. geboren, 1963-1968 Ingenieurstudium
an der Technischen Hochschule Hannover, 1970 Promotion
an der Technischen Hochschule Aachen zum Dr.-Ing., von 1971
bis 2002 war er Leiter des Fachbereichs Informationstechnologie
(früher: Datenverarbeitung) bei der Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig, 1978 Ernennung zum
Direktor und Professor bei der PTB, zahlreiche wissenschaftliche
Originalarbeiten aus den Bereichen Informatik, numerische Mathematik
und Regelungstechnik, seit 1980 Mitglied im Leitungskreis
der Studiengemeinschaft »Wort und Wissen«. 1990 gründete er
die Fachtagung Informatik, die alljährlich unter seiner Leitung
stattfindet. Seit 1984 vertritt er das Gebiet »Bibel und Naturwissenschaft
« als Gastdozent an der »Staatsunabhängigen Theologischen
Hochschule Basel«.
Karl-Heinz Vanheiden, 1948 in Jena geboren, 1968-1971 Physikstudium
an der Universität Halle, danach Berufung in die christliche
Jugendarbeit in der DDR, seit 1975 Lehrer an der Bibelschule
Burgstädt, von 1985-1990 Mitglied im Leitungskreis der Arbeitsgemeinschaft
»Glauben und Wissen« in der DDR, seit 1992 im
14. Aufl age 2004
© 1990 by CLV • Christliche Literatur-Verbreitung
Postfach 11 01 35 • 33661 Bielefeld
Satz: CLV
Umschlag: Dieter Otten, Gummersbach
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN 3-89397-133-5

Wenn Tiere
reden könnten …
Christliche
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