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Zweiter Weltkrieg

Wie ich als Kind den Krieg  in Zernez erlebt habe

 

 

 Deutsche Reichsmarke

 links Mussolini rechts Hitler

Adolf Hitler und Benito Mussolini

die Diktatoren des Deutschen Reichs und Italiens

personifizierten den totalitären Machtanspruch.

Sie zerrten ganz Europa, ja die ganze Welt in

den bisher schrecklichsten Krieg der Geschichte

 

         Die Nachrichten im Radio in unserem Esszimmer überschlugen sich.  Deutschland unter Hitler  überfiel einen Staat nach dem andern. Teilweise ohne Kriegserklärung. Später einmal hörte ich den Spruch, den die Deutschen gesagt haben sollen:

 

"und die Schweiz das Stachelschwein, nehmen wir im Rückweg ein"

 

    Schweizer Soldaten aus verschiedenen Gebieten der Schweiz bevölkerten plötzlich das ganze Dorf.   Verschiedene Räume unseres Hauses wurden vom Militär akquiriert und für das Militär umfunktioniert.  Aus unserem Esszimmer entstand die Soldatenstube. Das Bügelzimmer gegenüber wurde zu einen Kantonmoment ungebaut. Es hatte fünf Schlafplätzen auf Stroh für Soldaten. In zwei oder drei der oberen Räumen waren Offiziere einquartiert die auch unser Badezimmer benutzten.

Jeden Tag wurden die Soldaten im Dorf, evtl. bestandene Familienväter, mit laut schreienden Befehlen der Korporale und Offiziere gedrillt. 

Die Mächtigen mit gelben Streifen am Hut oder auf den Paten befahlen und die anderen mussten willenlos gehorchen. Ich frug mich damals bereits was das für einen Sinn dieset Krieg habe. Es wurde mir klar was Macht und Ohnmacht bedeut.

 

Im hinteren Teil unseres Hauses, eine leerstehende Stallung,  befanden sich plötzlich  Militärpferde, die ebenfalls für den Militärdienst eingezogen waren. Es roch nach Heu und der Heuboden darüber diente als Materiallager für das Militär.

 

An einem frühen Morgen war eine grosse Spannung und grosse Aufregung. Die Offiziere in unserer Wohnung standen mit Handgranaten in den Gürteln herum. Sie wussten nicht was zu tun sei. Die Schweiz könne angegriffen werden. Sie erzählten uns die italienische Armee unter Mussolini steht am Brenner. Der Brenner ist ein Italienischer Pass der sich in der Nähe des Engadins beim Ofenpass befand. 

 

    Zum Glück geschah nichts. In einem leerstehenden Raum, neben unserem Haus, der mit Metzgerei angeschrieben war, wurde Tränengas hineingeschossen. Die frisch eingezogenen Soldaten wurden mit den neuen angepassten Gasmasken etwa eine viertel Stunde in diesen abgeschlossen Raum eingesperrt. Dabei wurde geprüft ob die Masken wirklich dicht sassen. Einzelne Soldaten kkamen mit rotem Gesicht  und tränenden Augen herausgerannt.

 

 Das Essen war rationiert.

Jeden Monat wurden auf dünnem Karton gedruckte Malzeitencoupons für jedes Haushaltmitglied verteilt. Bis zum nächsten Monat gab es keine weitere Coupons  mehr.

Interessanterweise gab es in dieser Zeit keine dicken Menschen mehr.

 

Heute im Dez.. 2005 erhielt ich von einem Freund von mir. der ein grosser Sammler ist, einige Malzeitencoupons zum kopieren wie sie damals im Gebrauch waren.

 

Fürs Brot und die Milch

 

Für Waschmittel und Seife                                       Milch und Käse

 

 

    Die Soldatenküche befand sich zwei Häuser weiter oben. Viele Dorfbewohner kamen da mit ihren Kesselchen und holten sich für den privaten Haushalt  warme Suppe, die hervorragend schmeckte. 

 

    Mein Vater war als Zivilarzt zugleich auch Militärarzt und wurde in dieser Eigenschaft jeweils zu Unfällen gerufen oder musste kranke Soldaten in der Krankenstube besuchen.

 

Eines Tages stürzte brennend  ein Deutsches Jagdflugzeug  in unser Dorf ab und verbrannte. Ich kann mich noch knapp daran erinnern wie mein Vater  danach die verkohlte Leiche des Piloten aus dem Flugzeug ziehen musste um ihn für einen Bericht zu obduzieren.

 

Um Zernez,  auf dem Ofenpass und im Unterengadin befanden sich gewaltige gut getarnte Festungen. Alles war geheim. Heute finde ich im Internet genaue Unterlagen zu diesen Festungen  oder Talsperre von Lavin.

Vor 60 Jahren durfte man nicht darüber sprechen. Grosse Panzersperren aus Beton waren bei bestimmten Strassenabschnitten aufgestellt. Alles war  mit Stacheldraht abgesperrt.

 

Einmal besuchte ich mit meinem Vater die Ortschaft Lavin wo er Hausbesuche machen musste. Wir warteten auf ihn und gingen dabei  etwas ausserhalb des Dorfes spazieren. Plötzlich wurden wir vom Militär verhaftet (Der Chauffeur, eine Bekannte der Familie und ich als 10 jähriger Bub). Es dauerte drei Stunden bis das Militär uns entliess und ganz klar abgeklärt hatte, dass wir keine Spione waren..

 

Es war die Zeit der Verdunkelung. . Die Strassenbeleuchtungen wurden abgeschaltet Kein Lichtspalt durfte man aus irgend einem Fenster sehen. Dazu wurden alle Fenster in der Nacht mit einem speziellen Papier, welches wie ein Sandwich mit einer Zwischenschicht Teer geschwärzt war, vollständig abgedeckt. Kein Lichtspalt durfte nach Aussen dringen.

Nachts hörte man Amerikanische Bomber hoch in der Luft als sog. Bomberteppiche vorbeibrummen. Dieser andauernde Ton war etwa eine Viertelstunde zu hören bis er ganz leise wurde und verschwand. Am nächsten Tag konnte man dann in den Nachrichten hören, welche Städte die Amerikaner in Deutschland wieder bombardiert hatten.

 

 

Geschichte siehe: Geschichtliche Daten des zweiten Weltkriegs >klick

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